Klassifikation von Bergbaugeprägen
 
I. BERGWERKSMÜNZEN
 
Ausbeutemünzen Ausbeute war der nach Abzug aller Ausgaben und Abgaben erwirtschaftete Reingewinn, der an die Gewerken des öfteren zumindest teilweise in Form besonderer Münzen gezahlt wurde, da diese Münzen häufig den Wert von einem Taler besassen, werden Ausbeutemünzen oft auch summarisch als Ausbeutetaler bezeichnet. Um die Investitionsbereitschaft der Gewerken zu erhöhen, sind allerdings nicht selten Ausbeutemünzen auch dann geschlagen worden, wenn an sich keine Ausbeute erwirtschaftet worden war; manchmal stammte das Metall auch nicht aus der angegeben Grube. Ausbeutemünzen waren ebenso wie jene Münzen vollwertige Zahlungsmittel, die durch eine bergbauliche Darstellung oder durch die Herkunftsangabe des Metalls gekennzeichnet waren und teilweise in sehr hohen Stückzahlen geprägt worden sind. Ebenso zählen die Prämientaler der Bergakademien unter diesen Begriff.
Bergsegenstaler Im 19. Jahrhundert geprägte Vereinstaler u.a. von Anhalt, Hannover, Preußen und Sachsen. Sie tragen die Aufschriften wie „Segen des Anhalt. Bergbaues”, „Bergsegen des Harzes”, „Harzsegen”, „Segen des Mansfelder Bergbaues”, „Segen des Saalfelder Bergbaues”, „Segen des Badischen Bergbaues” o.ä.. Nach der Inschrift wurden diese beliebten Münzen bald als „Segenstaler” bezeichnet.
Münzen mit bergbaulichen Darstellungen Hierunter zählen alle gesetzlichen Zahlungsmittel mit Bergbaubezug, die nicht zu den Ausbeutemünzen oder Segenstaler zu rechnen sind. So ist die letzte deutsche Bergbaumünze mit einem Hinweis auf den einst blühenden Silberbergbau das 3-Mark- Stück des Deutschen Reiches von 1915, das zur 100-Jahr-Feier der Vereinigung der Grafschaft Mansfeld mit Preußen ausgegeben wurde. Eine moderne Münze mit einer bergbaulichen Darstellung ist die deutsche 10€-Silbergedenkmünze „Industrielandschaft Ruhrgebiet” von 2003.
 
II. BERGBAUMEDAILLEN
 
Ausbeutemedaillen Im engeren Sinne betrachtet, kann es Ausbeutemedaillen nicht geben. Die Gewerken hatten Anspruch, aus dem Überschuss des Bergwerkes mit Geld bedacht zu werden, wenn das von ihnen finanzierte Bergwerk einen Überschuss abwarf. Medaillen sind aber kein Geld, so dass der Begriff der „Ausbeutemedaille” in sich einenWiderspruch birgt. Eine Ausbeutezahlung an Gewerken mit o.g. Medaillen stellt eher eine Ausnahme dar. Die eigentlichen Bergbaumedaillen waren „sorgfältige Gepräge oder auch Gusse, die an verdiente Personen geschenkt, ausgegeben oder verkauft worden sind”.
Medaillen mit bergbaulichen Bezug Aus verschiedenen Gründen geschaffene Erinnerungsstücke, z.B. Bergwerksjubiläum, die, wenn auch vielfach münzähnlich, keinen Geldcharakter haben.
Löser und Schaumünzen mit Bergwerksdarstellungen Die Löser (Reines Depot-Geld, als geprägte Silber-Zwangs-Aktie) und die ihnen folgenden Schaumünzen waren eine finanzpolitische Besonderheit des Landes Braunschweig-Wolfenbüttel, die unter Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg (*1598) eingeführt wurde. Sie dienten dazu, Kaufkraft abzuschöpfen und eine Silberreserve anzulegen, da begüterte Bürger gezwungen wurden, derartige Löser zu kaufen. Obwohl auf ihnen der Wert eingepunzt war, durften sie nicht weiterveräußert werden, sondern konnten nur in Notfällen beim Staat „eingelöst” werden.
 
III. BERGBAU-JETONS
 
Bergbau-Jetons, also Auswurf-Münzen, wurden bei feierlichen Anlässen unter das Volk geworfen. Sie hatten keinen Geld-, sondern nur ihren Metallwert. Meist waren sie aus billigerem Material und ohne großen Aufwand hergestellt.
 
IV. BERGWERKSMARKEN
 
Die Bergwerksmarken waren meist Zweckgepräge, die aus unedlen Metallen angefertigt wurden. Es sind solche Marken, die bergmännische Darstellungen (meist Schlägel und Eisen) oder die Zuordnung zu einem Bergwerk erkennen lassen. Sie können in sechs Gruppen untergliedert werden.
 
Nachweismarken Diese, auch als Bergrechnungsmarken bezeichnet, werden beispielsweise für erbrachte Arbeitsleistungen ausgegeben.
Liefermarken Zum Bezug von Deputaten wurden Liefermarken verwendet.
Kontrollmarken Beispielsweise Schachtmarken zur Kontrolle der Ein- und Ausfahrt im Schacht.
Bergwerks-Ersatzgeld Dieses war speziell in England mit seinem chronischen Mangel an staatlich geprägten Scheidemünzen vor allem im 18. Jahrhundert verbreitet. Mit Token bezeichnet man Wertzeichen, die eine Art Notgeld sind und die im britischen Imperium längere Zeit in Umlauf waren.
Rechenpfennige Hierbei handelt es sich um münzähnliche Marken, die als Hilfsmittel bei dem „Rechnen auf Linien” dienten. Sie waren etwa seit dem 13. Jh. im Gebrauch und wurden in Mittelund Westeuropa bis ca. 1700 benutzt.
Münzmeistermarken Vergleichbar mit Jetons oder Rechenpfennigen, die von Münzen geprägt wurden und in Verbindung mit einem Bergwerk eingerichtet worden waren.
 
V. FLUSSGOLDGEPRÄGE
 
Gepräge, deren Beschriftung und bildliche Darstellungen ihren Zusammenhang mit der Goldwäscherei belegen. Eine Voraussetzung ist beispielsweise die Benennung der Herkunft des Edelmetalls aus den Alluvionen eines bestimmten Flusses.
 
VI. NICHT MÜNZÄHNLICHE BERGBAUGEPRÄGE
 
Als Ergänzung sei noch die VI. Hauptgruppe aufgeführt. Die nicht münzähnlichen Bergbaugepräge unterscheiden sich entweder im Material, Form oder Größe von den geprägten Metallschrötlingen.
 
Plaketten Hergestellt aus verschiedenen Materialien, wie Kohle, Leder, Porzellan oder Böttger- Steinzeug, z.B. die Plaketten zum traditionellen Berg- und Hüttenmännischen Tag an der TU Bergakademie Freiberg von 1950 bis 2000.
Abzeichen und Orden Beispielsweise zum Tag des Bergmanns und des Energiearbeiters der DDR ausgegeben.
Gusstafeln aus Eisen, Bronze und Aluminium Zu nennen sind die Eisengüsse aus Gleiwitz und die Neujahrsmedaillen mit bergbaulichen Motiven aus geschwärzten Gusseisen der TU Bergakademie Freiberg.
 
FAZIT
 

Zu den Bergbaugeprägen sind Münzen und Medaillen zu zählen, die im primären Zusammenhang mit dem Bergbau stehen. Das Ziel des Bergbaus ist die gewerbliche Gewinnung von (festen mineralischen) Rohstoffen bzw. Bodenschätzen. Unter Bergbau versteht man die Gesamtheit aller Unternehmungen zur Aufsuchung und Gewinnung von Bodenschätzen (Gewinnungsbergbau), daneben heute auch zur Wiedernutzbarmachung und Verwahrung stillgelegter Bergbauanlagen (Sanierungsbergbau) und zur umweltverträglichen Verbringung (Deponie, Endlagerung) von Reststoffen und Abfällen (Entsorgungsbergbau); die zugehörigen Betriebe sind Bergwerke, Gruben oder Tagebaue beziehungsweise Deponien oder Endlager. Der Gewinnungsbergbau erstreckt sich auf Steinkohle, Braunkohle, Torf, Erdöl, Erdgas, auf Erze aller Metalle, Kali- und Steinsalz, Edelsteine sowie Steine und Erden aller Art.

 
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